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Bank- und Kapitalmarktrecht

PFOF-Verbot 2026: Was das Ende von Payment for Order Flow für Trade Republic, Scalable Capital und Anleger bedeutet

Seit dem 1. Juli 2026 gilt das EU-Verbot von Payment for Order Flow auch für deutsche Neobroker uneingeschränkt. Was das für die Gebührenmodelle von Trade Republic und Scalable Capital bedeutet und worauf Anleger jetzt achten sollten.

Titelbild: PFOF-Verbot 2026: Was das Ende von Payment for Order Flow für Trade Republic, Scalable Capital und Anleger bedeutet

Seit dem 1. Juli 2026 dürfen Neobroker wie Trade Republic und Scalable Capital keine Rückvergütungen mehr von Market-Makern für die Weiterleitung von Kundenorders annehmen. Die deutsche Übergangsfrist für Payment for Order Flow (PFOF) ist ausgelaufen, das Geschäftsmodell hinter den gebührenfreien Depots verändert sich grundlegend. Rechtsstand: Juli 2026.

Was ist Payment for Order Flow?

Neobroker verdienten lange nicht in erster Linie an Ordergebühren, sondern an Rückvergütungen. Sie leiteten Kauf- und Verkaufsaufträge ihrer Kunden an einen Market-Maker weiter, der die Order ausführte und dafür eine Zahlung an den Broker leistete, das ist Payment for Order Flow. Der Market-Maker finanzierte diese Zahlung über den Spread, also die Differenz zwischen An- und Verkaufskurs. Für Kunden wirkte das Depot kostenlos, bezahlt wurde indirekt über den erzielten Kurs der Order.

Warum hat die EU PFOF verboten?

Die EU sah in PFOF einen strukturellen Interessenkonflikt. Nach § 82 WpHG muss ein Broker Kundenaufträge im bestmöglichen Interesse des Kunden ausführen, insbesondere zum günstigsten Preis. Ein Broker, der von einem bestimmten Market-Maker Rückvergütungen erhält, hat aber einen Anreiz, gerade diesen Market-Maker zu wählen, unabhängig davon, ob er tatsächlich den besten Preis bietet. Mit der MiFIR-Reform hat die EU das Verbot in Artikel 39a MiFIR unionsweit verankert, wirksam seit dem 28. März 2024.

Warum durften deutsche Neobroker PFOF trotzdem bis 2026 weiterführen?

Die MiFIR-Reform erlaubte Mitgliedstaaten, in denen PFOF vor dem 28. März 2024 bereits praktiziert wurde, eine befristete Fortführung gegenüber inländischen Kunden. Deutschland machte als einziger EU-Mitgliedstaat von diesem Wahlrecht Gebrauch. Das Bundesfinanzministerium notifizierte die europäische Wertpapieraufsicht ESMA am 21. März 2024 entsprechend, die Übergangsfrist lief bis zum 30. Juni 2026. Seit dem 1. Juli 2026 gilt das PFOF-Verbot nun auch für inländische Kunden deutscher Broker uneingeschränkt.

Wie reagieren Trade Republic und Scalable Capital auf das Verbot?

Beide großen Neobroker haben sich frühzeitig auf das Ende von PFOF vorbereitet, mit unterschiedlichen Wegen zum gleichen Ziel: einem eigenen Handelsplatz. Scalable Capital betreibt seit Dezember 2024 gemeinsam mit der Börse Hannover die Handelsplattform EIX und tritt dort selbst als Market-Maker auf, die Einnahmen fließen über den Spread. Trade Republic hat seit Anfang 2026 eine eigene BaFin-Lizenz für einen multilateralen Handelsplatz (MTF) und verdient seither ebenfalls direkt am Spread, statt Rückvergütungen von einem externen Market-Maker wie der LS Exchange zu erhalten.

Was bedeutet das Verbot für Anleger?

Für Kunden ändert sich zunächst wenig sichtbar. Trade Republic und Scalable Capital haben keine grundlegenden Preiserhöhungen angekündigt, beide Anbieter erzielen inzwischen auch aus Zinserträgen auf Guthaben und aus dem eigenen Spread ausreichend Einnahmen. Wichtig für Anleger ist trotzdem ein genauer Blick auf die Ausführungsqualität: Wo ein Broker früher einen Anreiz hatte, Orders an einen bestimmten Market-Maker weiterzuleiten, muss er jetzt strukturell im Kundeninteresse handeln. Ähnlich wichtig ist ein wacher Blick auf die zugrunde liegende Beratung selbst, denn auch bei einer fehlerhaften Anlageberatung entscheidet oft erst die genaue Prüfung der Kundeninteressen über einen möglichen Anspruch. Das kann sich bei größeren Orders und außerhalb der Haupthandelszeiten spürbar auf den erzielten Kurs auswirken. Die BaFin hatte schon vor dem Verbot festgestellt, dass Neobroker-Kunden bei kleineren Volumina und zur Haupthandelszeit meist gute Ausführungspreise erhielten, bei größeren Volumina und außerhalb der Börsenöffnungszeiten aber nicht durchgängig.

Was können Anleger jetzt tun?

Wer bei einem Neobroker investiert, sollte nach dem 1. Juli 2026 auf drei Punkte achten:

| Punkt | Warum es zählt |
|---|---|
| Gebührenmodell des Brokers prüfen | Kleinere Anbieter ohne eigenen Handelsplatz könnten Ordergebühren einführen oder erhöhen |
| Ausführungsqualität bei größeren Orders beobachten | Der frühere Interessenkonflikt entfällt, ein automatisch besserer Preis ist damit nicht garantiert |
| Bestpreisgrundsatz nach § 82 WpHG kennen | Bei erkennbar schlechter Ausführung besteht ein zivilrechtlicher Anspruch gegen den Broker Wer bei einem Neobroker investiert, sollte nach dem 1. Juli 2026 auf drei Punkte achten, die auch bei anderen Fragen zur Anlageberatung eine Rolle spielen: |

Wer den Verdacht hat, dass sein Broker Orders systematisch nicht zum bestmöglichen Preis ausführt, kann das rechtlich prüfen lassen. Ein erster Schritt ist die Anforderung der Ausführungsberichte beim Broker. Bei einem konkreten Verdacht auf betrügerisches Verhalten des Anbieters selbst hilft der Überblick im Beitrag Anlagebetrug: Geld zurück weiter.

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Die Informationen in diesem Artikel dienen allgemeinen Informationszwecken und ersetzen keine rechtliche Beratung im Einzelfall.

Fragen & Antworten

Ist Payment for Order Flow illegal?

Ja, seit dem 1. Juli 2026 ist PFOF für deutsche Broker gegenüber inländischen Kunden vollständig verboten. EU-weit gilt das Verbot bereits seit dem 28. März 2024 nach Art. 39a MiFIR, Deutschland nutzte als einziger Mitgliedstaat eine Übergangsfrist bis zum 30. Juni 2026.

Werden Trade Republic und Scalable Capital nach dem PFOF-Verbot teurer?

Beide Anbieter haben bislang keine grundlegenden Preiserhöhungen angekündigt. Sie haben sich mit eigenen Handelsplätzen, einer MTF-Lizenz bei Trade Republic und der Handelsplattform EIX bei Scalable Capital, auf das Verbot vorbereitet und verdienen künftig direkt am Spread.

Was war der rechtliche Grund für das PFOF-Verbot?

Die EU sah in Rückvergütungen von Market-Makern an Broker einen strukturellen Interessenkonflikt mit dem Bestpreisgrundsatz aus § 82 WpHG, wonach Broker Orders im bestmöglichen Interesse des Kunden ausführen müssen.

Woran erkenne ich als Anleger eine schlechte Orderausführung?

Ein Vergleich der Ausführungsberichte des eigenen Brokers mit dem zum Ausführungszeitpunkt gültigen Marktpreis gibt Aufschluss. Bei wiederholt auffällig schlechten Preisen, besonders bei größeren Orders, lohnt sich eine rechtliche Prüfung möglicher Ansprüche.

Hinweis: Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen rechtlichen Information und stellt keine Rechtsberatung im Einzelfall dar. Für die Beurteilung Ihrer konkreten Situation wenden Sie sich bitte direkt an Rechtsanwalt Hermann Kaufmann. Die Inanspruchnahme von Rechtsdienstleistungen setzt ein individuelles Mandatsverhältnis voraus (§ 43b BRAO).

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